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Aldenhoven
Geschichte und Geschichten
Ludwig Gall

Ludwig Gall

Heinrich Ludwig Lambert Gall wurde 1791 in Aldenhoven geboren. Er war ein Erfinder und Sozialtheoretiker und gilt als Retter des Weinanbaus an der Mosel.

GALL, Ludwig Heinrich Lambert, * 28.12.1791 in Aldenhoven (bei Jülich), + 31.1.1863 in Trier-St. Barbara, Eltern: Landwirt, Weinhändler und Gastwirt Martin Gall und Maria geb. Moers, oo 19.9.1816 mit Maria Anna geb. Willewersch in Trier. Nach dem Besuch der Dorfschule Aldenhoven wurde G. in die Sekundärstufe in Aachen aufgenommen, deren Leiter sein Onkel Franz Peter Gall, ein bekannter Jakobiner, war. Anschließend war Gall bei Anwälten als Schreiber Tätig, u.a. bei Michel Venedey, hier zugleich Privatlehrer des späteren 1848er Demokraten Jakob Venedey. 1811 wurde G. 1811 wurde G. Untergerichtsschreiber in Kleve und bald darauf in Düsseldorf, 1813 Commis bei der französischen Armee in Kleve, anschließend bei der preußischen bzw. russischen Militärverwaltung in Kleve und der Departementsverwaltung in Lüttich. Vom Oktober 1814 bis Mai 1815 war er Generalsekretär des Wälderdepartements in Luxemburg, anschließend bei der Verwaltung des von Preußen übernommenen Saardepartements in Bad Kreuznach bzw. Trier. Bei Aufnahme der Tätigkeit der preußischen Bezirksregierung Trier am 16.04.1816 wurde G. dort mit der untergeordneten Stelle eines Regierungssekretärs abgefunden.

Entscheidend für das weitere Leben G.s war der Eindruck der besonders in Trier-Stadt und -Land herrschenden großen sozialen Not. Daraus folgend zahlreiche sozialkritische Schriften aus christlicher Verantwortung und parallel dazu praktische Maßnahmen und Erfindungen zur Linderung der Nöte.

Angesichts der starken Auswanderungsbewegung und des damit verbundenen Elends organisierte G. 1819 einen Auswanderungstransport nach den USA, siedelte selbst in Harrisburg und versuchte dort Land für deutsche Einwanderer zu beschaffen, dazu Gründung einer „deutschen Gesellschaft“ in Harrisburg. Ende 1820 Rückkehr nach Trier und Herausgabe eines sehr kritischen Werkes zur Auswanderungsproblematik und den Verhältnissen in den USA.

G. wird Kreissekretär in Trier, bald in St. Goar und etwa 1824 in Wetzlar. Ab 1826 ist Gall bei der Regierung in Koblenz zur Bearbeitung der staatlichen Domänenangelegenheiten tätig. Hier förderte er die Ablösung des in den rechtsrheinischen Weinbergen noch vorhandenen Zehntrechts. 1835 Mitbegründer des Koblenzer Gewerbevereins; hier Vorstandsmitglied und reiche Vortragstätigkeit. 1836 Verleihung des Titels eines Doctor philosophiae honoris causa durch die Universität Lüttich.

1836 Ausscheiden aus dem Staatsdienst und Übernahme der Verwaltung von landwirtschaftlichen Gütern in Ungarn, Beobachtung durch die Metternich’sche Geheimpolizei; im Zusammenhang mit der Revolution 1848/49 (Mitarbeiter des Revolutionärs Lajos Kossuth) musste G. Ungarn verlassen. Rückkehr nach Trier. Sei 1957 Herausgabe des „Allgemeinen Deutschen Telegraph“ in Stuttgart, deren Redakteur er bis zu seinem Tode blieb.

G. unterschied in seiner Sozialkritik zwischen den „Geldprivilegierten“ und den „arbeitenden Klassen“ und sah „die Quelle alles Übels ... einzig darin, dass Millionen nichts haben als ihre Arbeitsfähigkeit“ und die Ursache „des Elends der benachteiligten Klassen in der Wertlosigkeit der menschlichen Arbeit in Verhältnis zu dem alles beherrschenden Gelde“ liege. „Die Geldprivilegierten und die arbeitenden Klassen stehen sich, durch einander widerstrebende Interessen scharf geschieden, feindlich gegenüber; die Lage der Ersteren verbessert sich in demselben Verhältnis, als jene der Letzteren sich immer mehr verschlimmert, kümmerlicher, elender wird.“ Der Gall’sche Klassenbegriff und auch weitere seiner Gedanken sollten seinem jüngeren Trierer Mitbürger Karl Marx erste theoretische Anregungen geben. G. vertrat die Auffassung, Gott habe den Menschen seine Gaben in so überschwenglicher Fülle gegeben, dass alle dabei des Lebens froh werden könnten. Die Selbstsucht der Menschen habe dies verhindert. Unter wahrer Religiosität verstand G. „nur Handeln nach der reinen Lehre Christi“. Die allgemeine Assoziation, entkleidet von französischer Philosophie, sei nichts anderes „als die Verwirklichung des wahren, vom Menschenbetrug gereinigten Christentums, welches allen, allen gibt und keinem nimmt, alle erhebt und keinen erniedrigt.“ Die moderne Industrie führe nicht von Gott weg, sondern hierdurch lasse Gott den Menschen erkennen, dass er sein irdisches Heil durch die Steigerung der Produktion schaffen könne. Im Zusammenhang seiner Forderung der Errichtung von Getreidelagern (für Notzeiten) klagte er, die Geschichte habe zu Hunderttausenden „die Unglücklichen“ zu zählen gehabt, welche die Pflichtvergessenheit christlicher! Regierungen dem qualvollen Hungertod preisgegeben habe. Zur Lösung der sozialen Frage empfiehlt G. vor allem die Errichtung von Genossenschaften.

Die praktischen Erfindungen G’s. sind heute weitgehend überholt. Er befasste sich vor allem mit chemischen Arbeiten. So erfand er einen produktiveren Dampfbrennapparat, der zudem noch (durch Hitzeanwendung) tausendfach in der Cholerabekämpfung Anfang der 1830er Jahre europaweit angewandt werden konnte. Bleibendes Verdienst brachte ihm die Weinverbesserungsmethode der Nasszuckerung des Weinmostes in schlechten Weinjahren, wodurch das Überleben des Moselweinbaus im 19. Jahrhundert überhaupt gesichert werden konnte. Erst eine Verordnung der Europäischen Gemeinschaft hat seine natürliche Methode zum 15.03.1984 durch eine chemische ersetzt.

Werke: (Auswahl):

Gutgemeinter Rath an meine deutschen Landsleute, bei ihrer Landung in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, 1820; Meine Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika im Frühjahr 1819 und meine Rückkehr nach der Heimath im Winter 1820, 2 Bände, 1822; Was könnte helfen? 1825 (Reprint Glashütte 1974); Darlegung der Vorzüge des in Preußen, Oestreich, Baiern und Würtemberg patentierten rheinländischen Dampf-Brenn-Apparats, für Brennerei-Besitzer und Kupferwaaren-Fabrikanten, 1831; Mein Wollen und mein Wirken, 1835 (Reprint Glashütte 1974); Praktische Anleitung, sehr gute Mittelweine selbst aus unreifen Trauben, und vortrefflichen Nachwein aus den Trestern zu erzeugen, 3. Aufl. (mit ausführlichen Begründungen der Winzernot), 1854.

Literatur: (Auswahl):

Heinz Monz, Ludwig Gall Leben und Werk, 1979; - ders., Ludwig Gall, Retter der Moselwinzer oder Weinfälscher?, 1981; - ders., Ludwig Gall aus Aldenhoven, in: Jülicher Geschichtsblätter, 1972; - Gvörgy Fehér und Imre Ress, Ludwig Gall als Techniker und Wirtschaftspublikzist in Ungarn 1837 – 1849, in Kurtrierisches Jahrbuch 1992, 81 ff.; - Richard Woller: Ludwig Gall und seine Bedeutung für den Weinbau an der Mosel, Saar und Ruwer, in: Kurtrierisches Jahrbuch 1991, 238 ff.; - Karl Georg Zinn, Staatstätigkeit und Multiplikator in den Schriften Ludwig Galls, in: Kyklos 1969, 719 ff.; - ders., Zur Frühgeschichte des „theoretischen Internventionismus“, in: ZKeitschr. F. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Bd. 106 (1986) 139 ff.

Quelle:

Heinz Monz, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XIV (1998)

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